Warum sich Mass Customization für produzierende Unternehmen lohnt

Wortwolke zum Überbegriff Mass Customization
Von Warchi
Was hinter dem Begriff Mass Customization steckt, welche Vorteile diese Methode für produzierende Unternehmen mit sich bringt und in welchen Branchen sie bereits heute eingesetzt wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Eines der wesentlichen Ziele der Industrie 4.0 stellt die sogenannte Mass Customization dar, die sich aus den beiden Wörtern mass production (= Massenproduktion) und customization (=kundenindividuelle Anpassung) zusammensetzt. Genau um die Kombination dieser beiden Elemente geht es bei der Mass Customization, unter der die kundenindividuelle Einzelfertigung mit effizienten Methoden der Massenproduktion verstanden wird. Dabei sollen sowohl die Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt werden als auch die Vorteile der Massenproduktion wie Skaleneffekte, Erfahrungskurvenvorteil und Automatisierung erhalten bleiben. Denn Zielabsatzmarkt bleibt nach wie vor der Massenmarkt, nicht der differenzierte Markt. Dennoch soll durch die Variation weniger, jedoch aus Kundensicht entscheidender Merkmale (typischerweise Designmerkmale oder Passform), eine Individualisierung des Produkts erreicht werden. Dafür kommt häufig das Konzept der Modularisierung zum Einsatz, bei dem das Produkt aus diversen Bausteinen individuell zusammengestellt wird.

Zahlreiche Vorteile für produzierende Unternehmen

  • Bedienen individuelle Kundenbedürfnisse:

Mittels Mass Customization können individuelle Kundenbedürfnisse bedient werden, bei nur geringfügig höheren Kosten als bei einem Standardprodukt. Beispielsweise liegt der Preis eines individualisierten Sportschuhs nur ca. 20% über dem der Standardausführung.

  • Effizientere Produktion:

Außerdem kann mittels Mass Customization im Idealfall effizienter produziert werden, indem nur noch bedarfsorientiert produziert werden muss. Dadurch können auch Lagerkosten eingespart werden.

  •  Wettbewerbsvorteil durch Erfüllung individueller Kundenbedürfnisse:

Weiterhin können sich Unternehmen durch Mass Customization einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern verschaffen, da sie so die Bedürfnisse des Kunden erfüllen können und dadurch dem Preiskampf im Segment der standardisierten Produkte ausweichen können. Bestenfalls kann dadurch sogar eine Marktpositionierung als Innovationsführer erreicht werden.

  •  Gewinnung wertvoller Kundendaten:

Außerdem können mittels Mass Customization wertvolle Daten über die Kundenbedürfnisse gewonnen werden, die durch konventionelle Marktforschungsmethoden nur schwer ermittelbar sind. So erhalten Unternehmen durch Mass Customization ein zusätzliches Instrument zur Beobachtung neuer Marktentwicklungen.

  •  Aufbau dauerhafter Kundenbindungen:

Durch die gewonnenen Daten über die Bedürfnisse der Kund:innen können Produkte an diese angepasst werden, wodurch der Aufbau dauerhafter Kundenbindungen erleichtert wird.

Fester Bestandteil in unterschiedlichen Branchen

Insgesamt wird deutlich, dass Mass Customization eine Reihe von Vorteilen für produzierende Unternehmen mit sich bringt, wie Effizienzgewinne in der Produktion, die Einsparung von Lagerkosten, ein Wettbewerbsvorteil durch die Erfüllung der Kundenbedürfnisse, eine Marktpositionierung als Innovationsführer, ein zusätzliches Instrument zur Marktbeobachtung sowie die Förderung einer dauerhaften Kundenbindung. Daher überrascht es nicht, dass Mass Customization bereits heute in zahlreichen Branchen (Textilien, Schuhe, Uhren und Schmuck, Fertighäuser, Küchen, Möbel, Lebensmittel, etc.) eingesetzt wird. Ein Trend, der in Zukunft wahrscheinlich noch zunehmen wird.

Quellen:

http://www.ecommerce-lounge.de/mass-customization-ecommerce/

Piller, Frank (2007): Mass Customization. In: Handbuch Produktmanagement, herausgegeben von Sönke Albers und Andreas Herrmann. Gabler Verlag Wiesbaden, 3. Auflage, S. 943-968.